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Vorgeschichte
Um den 20. Juni des Jahres 1914 herum war das Ostasiengeschwader zu einer Reise in die deutschen Schutzgebiete des
stillen Ozeans aufgebrochen. Vom Ausbruch des Krieges wurde das Geschwader am 2. August auf der Insel Ponape überrascht.
Sofort wurde alles Nötige veranlaßt, um die Kampfbereitschaft der Schiffe sicherzustellen. Alle nicht kriegsnotwendigen
Dinge wie Sonnensegel, Einrichtungsgegenstände der Messen und Wohndecks, aber auch persönliche Gegenstände und sogar
einige Beiboote mussten zurückgelassen werden, um im Gefecht nicht zu stören und bei Einschlag von Geschossen die
Splitterwirkung nicht zu verstärken.
Auf dem nun folgenden Marsch nach Osten wurde am 14. August "S.M.S. Emden zum eigenständigen
Kreuzerkrieg in den Indischen Ozean entlassen. Es fogten kurze Aufenthalte des Geschwaders
auf der Insel Eniwetok, den Marshall-Inseln, Samoa, Tahiti, den Marquesas Inseln und der Oster-Insel.
In der Nacht zum 30. Oktober kamen die Lichter der Stadt Valparaiso in Sicht.Die über zweimonatige
Überquerung des Stillen Ozeans war geschafft und bis jetzt wurde noch kein Feind gesichtet.
Die Dampfer "Yorck", "Göttingen", "Amasis", welche dem Geschwader als Versorger dienten, sowie
der Hilfskreuzer "Prinz Eitel-Friedrich", wurden in neutrale Häfen entlassen.
Am 31. Oktober machte auf den Kreuzern die Meldung die Runde, daß in Coronel, einer Stadt an der
Westküste Chiles, am Abend zuvor
ein kleiner englischer Kreuzer vor Anker gegangen sei. Um die chilenische Neutralität nicht zu
verletzen durfte er sich hier nicht länger als 24 Stunden aufhalten. Das Geschwader nahm nun Kurs auf
Coronel und erhöhte die Fahrt auf 14 Knoten, um den Engländer nicht zu verpassen. Der Kreuzer entwischte
jedoch, da er sich nur kurz im Hafen augehalten hatte, um Nachrichten zu empfangen.
In Laufe des Sonntages, 1. November, wurden einige Handelsschiffe gesichtet und die kleinen
Kreuzer "Leipzig", "Dresden" und "Nürnberg" wurden nacheinander ausgeschickt, um sie zu untersuchen.
"Nürnberg" fiel hierbei am weitesten zurück, da sie einen fernen Segler auklären sollte. Alle
Schiffe erwiesen sich als neutral und durften ihren Weg fortsetzen. Am Nachmittag, nach der sonntäglichen
Kaffeepause ging auf den Kreuzern der Befehl durchs Schiff "Pfeifen und Lunten aus!". Danach wurden
die Gefechtsstationen wieder voll besetzt.
Der Feind kommt in Sicht
Um 16:20 Uhr wurde vom Flaggschiff "Scharnhorst der Befehl "Klarschiff zum Gefecht!" gegeben -
diesmal keine Übung, wie so oft in den letzten Monaten. Auf den Brücken hafteten nun alle Augen am Horizont.
Zunächst zeichneten sich nur vier dünne Masten ab (Entfernung 15 sm), später kamen noch zwei weitere hinzu.
Der Geschwaderchef "Admiral Graf Spee" rief nun alle Kreuzer zusammen, die wegen der Untersuchung
der Handelsschiffe zurückstanden. "Gneisenau" und "Leipzig" schlossen schnell auf, später auch "Dresden".
"Nürnberg hingegen war nicht einmal in sicht und würde wohl auch nicht mehr rechtzeitig eintreffen können.
Nach einiger Zeit konnte der Gegner identifiziert werden. Dem Kreuzergeschwader standen die der
englische Panzerkreuzer "Monmouth", der kleine Kreuzer "Glasgow", sowie der Hilfskreuzer "Otranto" (ein mit
Geschützen bestückter Passagierdampfer) gegenüber. Um 17:20 Uhr gesellte sich ein weiteres Schiff
hinzu, der Panzerkreuzer "Good Hope", das Flaggschiff des Admirals Cradock.
Die Geschwader formieren sich
Das Kreuzergeschwader ging nun auf West-Südwest-Kurs und erhöhte die Fahrt, um zwischen das chilenische
Festland und die Engländer zu kommen. Der Geschwaderchef hoffte, daß sich der Gegner so nach Untergang
der Sonne gut gegen den Horizont abzeichnet. Die deutschen Kreuzer hingegen würden vom dunklen
Hintergund des steil aufragenden südamerikanischen Kontinents verschluckt werden.
Die Engländer, die zunächst nach Westen ausgewichen waren, gingen nach hinzustoßen von "Good Hope" nun
auf Südkurs und nahmen somit das Gefecht an. "Scharnhorst" verringerte die Fahrt und folgte der Bewegung
der "Good Hope". Gegen 18:00 Uhr hatten die Kreuzer vollständig aufgeschlossen und sich in Reihe formiert
("Scharnhorst", "Gneisenau", "Leipzig" und "Dresden"). Auch die Engländer hatten sich formiert, voran
"Good Hope", gefolgt von "Monmouth", "Glasgow" und "Otranto".
Der Tag neigte sich bereits dem Ende und Eile war geboten, sollte heute noch eine Entscheidung fallen.
Um 18:20 Uhr gab "Scharnhost" den Befehl "Ferngefecht an Steuerbord!" und wendete einen Strich auf den
Gegner zu, der nun auf gleicher Höhe lief. Die Schiffe begannen sich nun deutlicher anzunähern, jedoch
betrug die Entfernung immer noch über 12 sm.
Den deutschen zwölf 21 cm, sechs 15 cm Geschützen (die an Steuerbord-Seite zum Einsatz kommen konnten)
standen die beiden 23,4 cm Geschütze von "Good Hope" sowie weitere siebzehn 15 cm Geschütze gegenüber. Die Hoffnung
Cradocks war, damit die deutschen Kreuzer zumindest soweit zu schwächen, daß sie nicht mehr in die Heimat
durchbrechen könnten oder den für England lebensnotwendigen Seehandel beeinträchtigen.
Als nächstes folgte nun der Befehl "Feuerverteilung von links!", was bedeutete, daß sich "Scharnhorst"
mit "Good Hope" auseinanderzusetzen hatte und der jeweils folgende Kreuzer mit dem nächsten Schiff der Engländer.
Die Schlacht beginnt
Um 18:34 eröffnete "Scharnhorst" auf eine Entfernung von 10,4 sm das Feuer. Auch auf "Gneisenau" folgte bald Salve auf
Salve, zunächst erst die 21 cm Geschütze. Dann pfiffen die ersten Granaten der Engländer durch die Luft. Bereits die
3. Salve der "Gneisenau" erziehlte einen Treffer auf dem direkten Gegner "Monmouth". Die gute Ausbildung der letzten
Monate, seit in Tsingtau die halbe Besatzung routinemäßig ausgetauscht worden war, schien sich nun auszuzahlen.
Auch die Hoffnung des Grafen Spee, bezüglich den Sichtbedingungen nach Sonnenuntergang bewahrheitete sich.
Im weiteren Verlauf der Schlacht setzten auch die kleineren Geschütze ein und die beiden Panzerkreuzer erziehlten
zahlreiche Treffer auf ihren Gegnern. Auch "Dresden" schoß sich auf "Otranto" ein, der mit seiner hohen
Bordwand ein gutes Ziel abgab. Dieser fuhr zunächst Zickzackkurs, bevor er ganz aus der Kielline der Engländer ausbrach
und nach Westen davonfuhr. "Dresden", nun um seinen Gegner beraubt, beschoß daraufhin ebenfalls "Glasgow".
Ab ca. 19:30 Uhr folgte "Monmouth" nicht mehr der Kiellinie seines Flagschiffes. Er war schwer angeschlagen.
Der Bug lag tief im Wasser und der vordere Geschützturm war völlig zerstört. Er nahm Kurs in Richtung Küste und geriet
infolge der hereinbrechenden Dunkelheit außer Sicht. Darauf vereinten "Gneisenau und "Scharnhorst" das Feuer auf "Good Hope".
Dort war ein Feuer ausgebrochen. Gegen 19:23 Uhr folgte eine schwere Explosion, die wohl von in Brand geratener Munition
kam. Daraufhin wurden von "Good Hope" keine Salven mehr gefeuert, bevor auch der Feuerschein verschwand. Der Panzerkeuzer
war gesunken.
Gegen 19:30 Uhr stellten "Glasgow" und die Kleien deutschen Kreuzer das Feuer infolge von Dunkelheit ein.
Um 19:37 gab "Scharnhorst den Befehl zum Torpedoangriff an die Kleinen Kreuzer. "Scharnhorst" und "Gneisenau" hielten
sich westlich, um dies nicht zu behindern. Erst gegen 21:00 beobachteten die Panzerkreuzer nach gespenstiger Ruhe einen
Scheinwerfer, gefolgt vom Mündungsfeuer mehrerer Geschütze, danach wieder Ruhe.
"Nürnberg" hatte bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht mehr das Gefechtsfeld erreichen können. Sie war einer Qualmwolke nachgelaufen, die sich bei Annäherung
als "Monmouth" herausstellte. Aus nächster Entfernung gab Sie dem Gegner, der inzwischen als letztes Mittel zum Rammen
angesetzt hatte, den Gnadenstoß. Daraufhin legte sich "Monmouth" auf die Seite und sank.
In dieser Situation war an die Suche nach Überlebenden nicht zu denken, da schwerer Seegang und Unklarheit über den Verbleib
der anderen Schiffe herschte.
Am nächsten Morgen, als die Schäden genau betrachtet werden konnten, waren die meisten Spuren des Kampfes auf den
deutschen Kreuzern schon beseitigt. Die Engländer hatten keinerlei Wirkungstreffer auf den stärker gepanzerten deutschen
Kreuzern erziehlen können. Lediglich auf "Gneisenau" gab es zwei Verletzte.
Das Kreuzergeschwader hatte innerhalb einer Stunde zwei englische Panzerkreuzer vernichtet, einen Kleinen Kreuzer
und einen Hilfskreuzer beschädigt. Von den 1700 Mann Besatzung der "Good Hope" und "Monmouth" überlebte niemand.
An diesem Tag zahlte sich aus, daß Graf Spee sein Geschwader zusammen gehalten hatte und nicht wie "Emden" allein
Kreuzerkrieg führen ließ.
In Punta Areans erinnert eine Gedenktafel an die "Seeschlacht von Santa Maria", die ursprüngliche Bezeichnung der
Schlacht.
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